ZUM GEDENKEN

Alexander Ritter (1939–2021)

Mit großer Trauer nimmt die Internationale Charles Sealsfield-Gesellschaft Abschied von Alexander Ritter, der am 5. Oktober 2021 in seiner Heimatstadt Itzehoe verstorben ist. Alexander Ritter war maßgeblich an der Gründung der Internationalen Charles Sealsfield-Gesellschaft beteiligt und hat sie als Herausgeber der Buchreihe der Gesellschaft, der SealsfieldBibliothek, entscheidend geprägt.

Alexander Ritter wurde 1939 Guben (Gubin) in der Niederlausitz geboren. Er promovierte 1970 an der Universität Kiel bei Erich Trunz und habilitierte sich an der Universität Hamburg im Jahr 1989. Seine berufliche Tätigkeit begann er als Gymnasiallehrer, ab 1984 war er Studienleiter für das Fach Deutsch am Landesinstitut für Praxis und Theorie der Schule in Kiel. 1999 trat er in den Ruhestand.

Alexander Ritter war ein höchst produktiver und international profilierter Literaturwissenschaftler. In seiner Forschungstätigkeit lassen sich zwei Schwerpunkte ausmachen. Er beschäftigte sich seit langem mit deutschsprachiger Minderheitenkultur und -literatur im Ausland und gehörte zu den Pionieren, die dafür die forschungstheoretischen sowie textlichen Grundlagen gelegt haben. Dazu gehört nicht nur, aber in großem Ausmaß, die deutschsprachige Kultur in den Randgebieten der Habsburgermonarchie, also in der Zips, der Bukowina, Galizien, Siebenbürgen, Südtirol etc.

Vor allem aber war Alexander Ritter der Doyen der Charles-Sealsfield-Forschung. Mit seiner von Trunz angeregten Dissertation über die Darstellung und Funktion der Landschaft in den Amerika-Romanen von Charles Sealsfield (1969) war er einer der ersten, die die Texte Sealsfields als ästhetische Gebilde ernst nahmen und in amerikanischen literarischen und kulturellen Kontexten verortete. Die Beschäftigung mit Charles Sealsfield blieb Alexander Ritters Lebensaufgabe. Er edierte die Supplementreihe der Sämtlichen Werke im Olms-Verlag, gab seit 1986 die Schriftenreihe der Charles Sealsfield-Gesellschaft und seit 2004 die SealsfieldBibliothek heraus, betreute eine fortlaufende Sealsfieldbibliographie und forschte bis zuletzt zu biographischen Fragen, die er in zahlreichen Artikeln veröffentlichte. Die umfassende neue Sealsfieldbiographie, die seine Kollegen und Freunde von ihm erhofft haben, wird nun leider ungeschrieben bleiben.

Unser Mitgefühl gilt Alexander Ritters Familie.

Wynfrid Kriegleder, Wien, 2021

Jeffrey Sammons (1936–2021)

Die Internationale Charles-Sealsfield-Gesellschaft trauert um Jeffrey Sammons, der am 15. Februar 2021 in Hamden, Connecticut verstorben ist. Sammons, der führende amerikanische Sealsfieldforscher, hat der Gesellschaft seit ihrer Gründung angehört und an mehreren von ihr veranstalteten wissenschaftlichen Tagungen teilgenommen.

Jeffrey Sammons wurde 1936 in Cleveland, Ohio geboren und promovierte 1962 an der Yale University, wo er von 1964 bis zu seiner Emeritierung 2001 lehrte. 1969 bis 1977 und 1988 bis 1991 fungierte er als „Chairman“ des „Department of German“. 

Jeffrey Sammons, Mitglied vieler wissenschaftlicher Gesellschaften, war einer der weltbesten Kenner der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts. Schon früh interessierte er sich für deren soziopolitischen Kontext, im Zentrum standen für ihn aber immer die Texte, wie sein 1977 erschienenes Buch Literary Sociology and Practical Criticism erweist. Und sehr früh schon begann er sich für die deutschsprachige jüdische Literatur der Epoche zu interessieren.

Einen großen internationalen Ruf erwarb er sich als Heine-Forscher. Unter seinen vielen Publikationen ist in erster Linie Heine: A Modern Biography (1979) zu nennen. Von den 16 Büchern, die Sammons veröffentlicht hat, beschäftigten sich fünf mit Heinrich Heine. Aber darüber hinaus schrieb er auch über die Nachtwachen von Bonaventura, über Wilhelm Raabe und Friedrich Spielhagen. Und natürlich über Charles Sealsfield. Neben vielen Aufsätzen ist vor allem seine große Studie aus dem Jahr 1998, Ideology, Mimesis, Fantasy: Charles Sealsfield, Friedrich Gerstäcker, Karl May, and Other German Novelists of America zu nennen Hier bot er eine Geschichte des deutschsprachigen Amerikaromans, die der künftigen Forschung noch viele Anregungen liefern wird.

Alle, die das Glück hatten, Jeffrey Sammons persönlich kennenzulernen, waren von seinem immensen Wissen, seiner Hilfsbereitschaft und seinem trockenen Humor angetan, mit dem er so manche pseudo-wissenschaftliche Prätention elegant abfertigte. Er wird uns sehr fehlen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, vor allem seiner Ehefrau Christa Sammons.

Wynfrid Kriegleder, Wien, 2021